{"id":1789,"date":"2025-02-06T20:02:10","date_gmt":"2025-02-06T19:02:10","guid":{"rendered":"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/?p=1789"},"modified":"2025-04-10T17:25:25","modified_gmt":"2025-04-10T15:25:25","slug":"learning-to-forget-the-past-yearning-to-forget-the-future","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/?p=1789","title":{"rendered":"Learning to Forget the Past; Yearning to Forget the Future"},"content":{"rendered":"<p>The following, in German, arose out of the slides and notes I made for a talk given for the <em>German Society for Electroacoustic Music<\/em> (DEGEM) at <a href=\"https:\/\/www.zkm.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ZKM Karlsruhe<\/a> on 28.9.2024. The theme for the talks was <em>Perspectives on Emerging Forms of Experimental Music: Futurisms I. From Now to Tomorrow | Emergence and Experiment<\/em> and my wide-ranging talk&#8217;s title was <em>Learning to Forget the Past; Yearning to Forget the Future<\/em>. It deliberately posed more questions than it answered, in the hope that a discussion would ensue to address these.<\/p>\n<h2>Pr\u00e4ludium<\/h2>\n<h3>ein Paradox<\/h3>\n<blockquote><p>Ich sage vorher: was in der Zukunft passieren wird, ist der Beweis daf\u00fcr, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann.<\/p>\n<p>(Michael Edwards)<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf der anderen Seite, es ist nat\u00fcrlich vollkommen akzeptable, von Experten zu verlangen, dass sie klare Betonungen f\u00fcr die aktuelle und kommende Zeit setzen. Das mache ich auch gerne, wenn auch auf Risiko. Aber ein paar lustige Vorhersagen kann ich nicht auslassen<\/p>\n<blockquote><p>Television won&#8217;t be able to hold on to any market it captures after the first six months. People will soon get tired of staring at a plywood box every night.<\/p>\n<p>(Darryl Zanuck, 20th Century Fox, 1946)<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>The wireless music box has no imaginable commercial value. Who would pay for a message sent to nobody in particular?<\/p>\n<p>(David Sarnoff&#8217;s Associates rejecting a proposal for investment in the radio in the 1920s)<sup class='footnote'><a href='#fn-1789-1' id='fnref-1789-1' onclick='return fdfootnote_show(1789)'>1<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Two years from now, spam will be solved.<\/p>\n<p>(Bill Gates, World Economic Forum, 2004)<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>I predict the Internet will soon go spectacularly supernova and in 1996 catastrophically collapse.<\/p>\n<p>(Robert Metcalfe, founder of 3Com and inventor of Ethernet, writing in a 1995 InfoWorld column)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn man sowas liest, denkt man an alle KI-Skeptiker, v.a. die, die behaupten, dass KI kein Einfluss auf die Kunst haben kann oder wird oder sollte. Doch, wird sie, aber das ist was ich mit \u201cYearning to Forget the Future\u201d andeute. Die Vergangenheit und die n\u00e4here Zukunft sollten uns so weit wie m\u00f6glich klar sein aber nicht unterdr\u00fccken. KI und \u00e4hnliches sollten wir nicht vergessen, sondern begr\u00fcssen, aber uns nicht unter Druck f\u00fchlen, sie unbedingt intensiv oder \u00fcberhaupt zu benutzen.<\/p>\n<p>KI heisst nicht, das Ende von der Kunst, sondern sie ist nur ein neues Werkzeug, um Material zu generieren und zu Kuratieren, zum Beispiel. Vergessen wir lieber nicht, wie oft wir solche Aussagen geh\u00f6rt haben: Samplers werden Musiker ersetzen; die Photographie wird die Malerei t\u00f6ten (sag\u2019s bitte dem\u00a0 Anselm Kiefer oder Gerhard Richter); oder Technologie allgemein wird die Musikalit\u00e4t zerst\u00f6ren (wobei Musik immer hoch technologisch war). Und trotz allem macht der Mensch immer weiter Musik und Kunst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1827\" aria-describedby=\"caption-attachment-1827\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/keith-jarrett-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1827 size-medium\" src=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/keith-jarrett-300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/keith-jarrett-300x205.jpg 300w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/keith-jarrett-1024x700.jpg 1024w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/keith-jarrett-768x525.jpg 768w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/keith-jarrett-1536x1050.jpg 1536w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/keith-jarrett-2048x1399.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1827\" class=\"wp-caption-text\">Keith Jarrett<\/figcaption><\/figure>\n<p>Also, die Voraussagen waren lustig aber jetzt kommen wir eher zur Sache:<\/p>\n<blockquote><p>We also have to learn to forget music. Otherwise we become addicted to the past.<\/p>\n<p>(Keith Jarrett)<\/p><\/blockquote>\n<p>Folgendes ist Tatsache: Neue Musik, auch Experimentelle und Elektronische Musik, ist eine Entwicklung aus westlich klassischer Musik: ihre Herkunft ist klar entlang der Linie Machaut-&gt;Josquin-&gt;Monteverdi-&gt;Bach-&gt;Haydn-&gt;Beethoven-&gt;Wagner-&gt;Mahler-&gt;Schoenberg-&gt;Stockhausen und dazu Jazz\/Pop\/Rock. Aber Klassik-Liebhaber sind eher nicht unser Publikum. Und gar nicht in der Elektronik. Insofern sind die Vergleiche oder Erwartungshaltungen eines solchen Publikum schlicht nicht unser Problem.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck aber zum Jarrett Zitat: es bedeutet nicht, dass wir aktiv Musik vergessen sollten, sondern, dass wir es relativieren und nicht anhimmeln sollten, um weiterzukommen und um neue Formen und H\u00f6rgewohnheiten zu gewinnen&#8212;ja vielleicht auch mit KI.<\/p>\n<h2><i>Es lebe die Lautsprecher-Musik<\/i><\/h2>\n<blockquote><p>Tape music is dead<\/p>\n<p>(Luciano Berio, 1975 (?))<\/p><\/blockquote>\n<p>York Hoeller hat mit einer \u00e4hnlichen Aussage f\u00fcr einen Aufschrei in 2001 gesorgt:<\/p>\n<blockquote><p>The creation of pure tape pieces seems to be obsolete.<\/p>\n<p>(York H\u00f6ller) <sup class='footnote'><a href='#fn-1789-2' id='fnref-1789-2' onclick='return fdfootnote_show(1789)'>2<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p>Sogar wenn dies wahr w\u00e4re, sollten wir Tonbandmusik vergessen? Nein! Allerdings, sie <em>Tonbandmusik<\/em> zu nennen hilft nicht gerade ein Gef\u00fchl f\u00fcr \u201cim Jetzt zu sein\u201d zu erzeugen. Lieber<em> Lautsprecher-Musik<\/em> oder <em>Fixed Media: Stereo\/Multichannel Audio<\/em> (bitte).<\/p>\n<p>Es gibt aber immer (mehr!) noch einen Platz f\u00fcr hochwertige immersive Klangerlebnisse, trotz der Aussagen von Holler&#8212;hier dazu noch eine:<\/p>\n<blockquote><p>The spatialization of music is a superficial quality that seems to be attractive at first but quickly loses its excitement for the experienced listener<\/p>\n<p>(York Hoeller, 2001)<\/p><\/blockquote>\n<p>Immersiver Klang hat ein breites Publikum: Wir kennen das aus dem modernen Kino. Auch die Vorbereitung von szenen- oder objektbasierten Audioformaten hat eine gr\u00f6\u00dfere Chance als z.B. 5.1 Surround, da sie Lautsprecher-Position-unabh\u00e4ngig ist und binaurale Kopfh\u00f6rererlebnisse in der Tat reicher als Standard-Stereo sind. Aber ZKM ist nicht f\u00fcr jeden leicht zug\u00e4nglich und stellt vielleicht das alte Model dar: Subventionen im Grossformat. Vielleicht ist die Kammerelektronik (nach Roman Pfeifer) etwas passender f\u00fcr viele.<\/p>\n<p>Ich denke aber, die Frage, wohin sich die Lautsprecher-Musik entwickeln wird, h\u00e4ngt davon ab, wo die Erfahrung von Musik im Mittelpunkt steht oder stehen sollte&#8212;im Konzertsaal oder online, zum Beispiel? Oder geht es um hybride Ans\u00e4tze, bei denen das Online-Erlebnis die Norm ist und Konzertspektakel diese erg\u00e4nzen und f\u00f6rdern (\u00e4hnlich wie bei Pop)? In diesem Fall m\u00fcssten die Konzerte lohnende Extras bieten, so wie viele exzellente Lautsprecher, aber auch Licht-, Video- und Performance-Aspekte; auch soziale Erweiterungen wie K\u00fcnstlergespr\u00e4che und Diskussionen, die wir ja schon kennen&#8212;das muss weiter gehen und online gestellt werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1831\" aria-describedby=\"caption-attachment-1831\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/ludi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1831 size-medium\" src=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/ludi-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/ludi-300x212.jpg 300w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/ludi-1024x725.jpg 1024w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/ludi-768x544.jpg 768w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/ludi.jpg 1361w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1831\" class=\"wp-caption-text\">Ludger Br\u00fcmmer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Oder, um zur\u00fcck zu gehen, ist die Lautsprecher-Musik doch schon \u2018tot\u2019, weil sie so schwierig zu verstehen ist (sowie die Instrumental-Neue-Musik, aber ohne die sichtbare und bekannte Referenz-Instrumente)? Insofern als es ein Problem mit der Rezeption nicht-kommerzieller elektronischer Musik gibt, liegt das Problem in den musikalischen Strukturen selber vielleicht? Wie Ludger schon vor 30 Jahren gesagt hat:<\/p>\n<blockquote><p>the problem for the composer of computer music is therefore to create a composition that contains enough redundant (i.e., reused) information and a clear enough grammar within the composition to enable listeners to understand what they hear.<\/p>\n<p>(Ludger Br\u00fcmmer, 1994)<\/p><\/blockquote>\n<p>Also, Ludger hat Computer-Musik genannt, deswegen jetzt eine Hoffnung eher als eine Prognose von mir:<\/p>\n<blockquote><p>Electronic music of the future will be coded (or prompted), not sequenced<\/p>\n<p>(Michael Edwards, 2024)<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8230;.und zwar weil Digital Audio Workstations (DAWs) stagniert haben.<\/p>\n<blockquote><p>Even in the commercial software industry, the marketing departments of most audio software companies have not yet fully grasped the post-digital aesthetic; as a result, the more unusual tools emanate from developers who use their academic training to respond to personal creative needs.<\/p>\n<p>(Kim Cascone, 2000)<\/p><\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_1828\" aria-describedby=\"caption-attachment-1828\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Cascone.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1828 size-medium\" src=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Cascone-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Cascone-300x199.jpg 300w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Cascone.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1828\" class=\"wp-caption-text\">Kim Cascone<\/figcaption><\/figure>\n<p>DAW&#8217;s sind immer noch von dem virtuellen Mischpult besessen. Wir m\u00fcssen aber Code schreiben, um aus der Maschine zu holen, das was frisch und zukunftstauglich ist, und um das zu tun, m\u00fcssen wir die Sprachen der Maschine beherrschen. Aber wie sollten wir programmieren heutzutage? Durch KI Prompts vielleicht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1989\" src=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05.png\" alt=\"\" width=\"3922\" height=\"2207\" srcset=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05.png 3922w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05-300x169.png 300w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05-1024x576.png 1024w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05-768x432.png 768w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05-1536x864.png 1536w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Screenshot-2025-02-08-at-17.41.05-2048x1152.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 3922px) 100vw, 3922px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><\/h2>\n<p>Ich pers\u00f6nlich besch\u00e4ftige mich immer weniger mit der Spezifizierung fester musikalischer Details und interessiere mich zunehmend f\u00fcr die Herstellung flexibler Software, die ein musikalisch-strukturelles Potenzial schafft. Zu diesem Zweck sind in meinen algorithmischen Werken die generativen Ideen und ihr Ausdruck in der Software der Kern des St\u00fccks, nicht die Details einer von ihnen erzeugten Partitur oder Klangdatei. Anders ausgedr\u00fcckt: Die fixe Partitur bzw. Klangdatei ist nicht die Essenz der Musik, sondern ein Werkzeug, um eine m\u00f6gliche Umsetzung der in der Software entwickelten Ideen zu erreichen&#8212;ich tausche hiermit lediglich einen Code gegen einen anderen aus. So, ist die Partitur \u2018emergent\u2019 aus dem Code, oder ist die klingende Musik emergent aus beiden?<\/p>\n<h3>Das n\u00e4chste Release-Format?<\/h3>\n<figure id=\"attachment_1833\" aria-describedby=\"caption-attachment-1833\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/mpc.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1833 size-medium\" src=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/mpc-300x118.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"118\" srcset=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/mpc-300x118.png 300w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/mpc.png 694w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1833\" class=\"wp-caption-text\">Michael Edwards: music app, 2015<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir haben noch nicht damit begonnen, das Potenzial von Apps f\u00fcr die <i>nicht<\/i> fixierte Erfahrung eines Musikst\u00fccks zu erschlie\u00dfen, bei der vielleicht eine algorithmische Struktur besser aufgedeckt werden kann. \u00a0Aber ich w\u00fcrde sagen, dass das Potenzial f\u00fcr die Verbreitung von Musik per App enorm gross ist.<\/p>\n<p>Apps erm\u00f6glichen es, musikalische Ideen in Code zu kapseln und direkt an die \u00d6ffentlichkeit zu bringen, ohne dass sie in irgendeiner Weise fixiert, &#8216;realisiert&#8217; oder eingeschr\u00e4nkt werden m\u00fcssen. M\u00f6chten Sie, dass Ihr St\u00fcck ewig weiterl\u00e4uft und sich spontan neu konfiguriert? Programmieren Sie es so. Sie wollen eine flexible Anzahl von Ausgabekan\u00e4len? Konfigurieren Sie die Optionen und lassen Sie den H\u00f6rer oder das Audio-System entscheiden. M\u00f6chten Sie verschiedene Qualit\u00e4tsstufen anbieten, von 256k mp3 bis hin zu 192KHz 32bit Studio Master? Lassen Sie die Bandbreite und die W\u00fcnsche der Zuh\u00f6rerin entscheiden. M\u00f6chten Sie eine Vielzahl verschiedener Mastering-Ans\u00e4tze, die auf das H\u00f6ren im Zug oder die Wiedergabe auf audiophilen Ger\u00e4ten in einem ruhigen Raum zugeschnitten sind? F\u00fcgen Sie verschiedene Masterdateien zur Auswahl hinzu oder integrieren Sie digitale Signalverarbeitungsroutinen in Echtzeit, um das beste Erlebnis f\u00fcr die jeweilige H\u00f6rumgebung zu bieten.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens Brian Eno hat etwas verwandtes vor fast 30 Jahren vorausgesehen (!?):<\/p>\n<blockquote><p>I really think it is possible that our grandchildren will look at us in wonder and say: \u201cYou mean you used to listen to exactly the same thing over and over again?&#8221;<\/p>\n<p>(Brian Eno, 1996)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist das nun eine schon verpasste Gelegenheit oder kommt es noch?<\/p>\n<figure id=\"attachment_1832\" aria-describedby=\"caption-attachment-1832\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Marshall_McLuhan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1832 size-medium\" src=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Marshall_McLuhan-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Marshall_McLuhan-209x300.jpg 209w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/Marshall_McLuhan.jpg 440w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1832\" class=\"wp-caption-text\">Malcolm McLuhan<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Das Medium ist (immer noch) die Botschaft<\/h2>\n<h3>Und das sollte vielleicht noch mehr der Fall sein<\/h3>\n<h3>Oder: warum wir neue Metanarrativen brauchen<\/h3>\n<p>McLuhans Satz \u201eDas Medium ist die Botschaft\u201c mag 60 Jahre alt sein, aber er bezog sich nicht auf eine Ver\u00e4nderung, die in den 1960er Jahren stattfand, sondern auf eine zeitlose Funktion jeglicher Technologien, die allesamt Erweiterungen unseres physischen Selbst sind und unsere Wahrnehmungen durch das Potenzial des Mediums neu verdrahten. Dies gilt f\u00fcr die elektronische Musik ebenso wie f\u00fcr das Streichquartett, das Fresko, den Film oder die sozialen Medien.<\/p>\n<p>Aber, um ein bisschen provokant zu sein, wenn das Medium die Botschaft ist, dann ist vielleicht DJ-Turntablism die reinste Art der Elektronischen Musik? Es k\u00f6nnte uns egal sein, aber die Offenlegung des Mediums erscheint mir als sehr wichtig. Vielleicht haben wir, in einem neuen St\u00fcck zum Beispiel, signifikante Strukturen von perfektem immersivem Klang, aber das ist nicht alles. Es wird zum Beispiel Pausen, St\u00f6rungen, Unterbrechungen, pl\u00f6tzliche Style-Wechsel, Kaputte-Lautsprecher-Solos und h\u00f6rbares Vorspulen geben. Mit anderen Worten, eine Metaerz\u00e4hlung, die die <i>Aussetzung der Ungl\u00e4ubigkeit<\/i> bricht (vom Englischen: <i>Suspension of Disbelief<\/i>), d.h. es bringt diese Ungl\u00e4ubigkeit in den Fokus und sie hervorhebt, weil eben die Technologie enth\u00fcllt wird.<\/p>\n<p>Lyotards ber\u00fchmte Definition von Postmodernismus als \u201eUngl\u00e4ubigkeit gegen\u00fcber Metaerz\u00e4hlungen\u201c <sup class='footnote'><a href='#fn-1789-3' id='fnref-1789-3' onclick='return fdfootnote_show(1789)'>3<\/a><\/sup> wird in diesem letzten Bespiel sowohl durch \u00e4sthetische Pluralit\u00e4t und &#8216;Promiskuit\u00e4t&#8217; best\u00e4tigt wie auch geleugnet, indem bereits strukturierten Materialien eine Metastruktur aufgezwungen wird, die ihrerseits eine von den konventionelleren Materialien getrennte Struktur bildet. Auf diese Weise sagen wir, etwas plump gesagt, dass wir nicht an eine einzige \u00e4sthetische oder historisch-technologisch-soziale Erz\u00e4hlung glauben.<\/p>\n<p>Wir haben also die Metaerz\u00e4hlung im Sinne von Lyotard &#8211; als eine eher vorurteilsbehaftete historische Geschichte, die darauf abzielt, die Interessen der M\u00e4chte zu vereinheitlichen &#8211; gegen die k\u00fcnstlerische Metaerz\u00e4hlung, die fremde Strukturen auferlegt, die die K\u00fcnstlichkeit des Mediums und seiner Wahrnehmung aufdecken. Interessant hier ist, musikalisch gesehen (und wenn man etwa f\u00fcnfzig Jahre zur\u00fcckgeht), dass Hendrix ein Publikum ins Aufnahmestudio einl\u00e4dt, um die Live-Situation zu simulieren, oder, dass Marvin Gaye seine Musik in ein Party-Ambiente schichtet: sie schaffen damit eine Metaerz\u00e4hlung, aber andererseits kehren sie diese um, indem sie wiederum die <i>Aussetzung des Unglaubens <\/i>verlangen.<\/p>\n<p>Aber warum ist das alles wichtig? Um die Illusion zu brechen; um die Maschine und die Machenschaften zu enth\u00fcllen; um die Maschine zu brechen; um den Glauben an die Maschine zu brechen; um das menschliche Element (wenn nicht allzu pathetisch jetzt) und den menschlichen Geist wieder einzuf\u00fchren; und letztlich um eine positive Metaerz\u00e4hlung, oder noch besser, einen kritischen Kommentar zu schaffen.<\/p>\n<h2>Eine Prognose erlaube ich mir trotz allem<\/h2>\n<h3>Oder ist es schon wieder blo\u00df ein Wunsch?<\/h3>\n<figure id=\"attachment_1829\" aria-describedby=\"caption-attachment-1829\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/folkwang-1024x592-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1829 size-medium\" src=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/folkwang-1024x592-1-300x173.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/folkwang-1024x592-1-300x173.jpg 300w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/folkwang-1024x592-1-768x444.jpg 768w, https:\/\/michael-edwards.org\/wp\/wp-content\/uploads\/folkwang-1024x592-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1829\" class=\"wp-caption-text\">Die Folkwang Universit\u00e4t der K\u00fcnste<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jetzt, formuliert aus der Perspektive eines Professors f\u00fcr elektronische Komposition, was also ist die Aufgabe heutzutage? Meiner Meinung nach hat sie mindestens zwei Ziele: Wir m\u00fcssen immer noch das Bewusstsein f\u00fcr die \u00e4sthetischen Vorteile der elektronischen oder digitalen Ansatzes in der Komposition sensibilisieren aber gleichzeitig haben wir das Ziel, das Feld <em>Elektronische Komposition<\/em>\u00a0auszul\u00f6schen. Das ist nat\u00fcrlich eine seltsame und provokante Aussage, aber ich glaube, wir m\u00fcssen an einen Punkt gelangen, an dem die Wahl der Komponistin zwischen akustischen Instrumenten gegen\u00fcber der Elektronik nicht mehr auf einer strikten technischen Disziplinen oder gegens\u00e4tzlichen \u00e4sthetisch-philosophischen Weltanschauungen beruht, sondern lediglich eine musikalische Entscheidung ist. Anders gesagt: Ja, wir m\u00fcssen rigoros die notwendigen Ans\u00e4tze lernen und lehren, um die tiefsten Einsichten zu gewinnen und die meisten Vorteile aus den Techniken der elektronischen Musik zu ziehen, aber diese sollten f\u00fcr die Komponistin so selbstverst\u00e4ndlich werden, dass der Griff zu diesen Werkzeugen, zumindest was die technischen H\u00fcrden angeht, kaum anders ist als die Entscheidung, f\u00fcr das Klavier statt f\u00fcr die Oboe zu schreiben. Irgendwann werden wir also <em>Komposition<\/em>\u00a0studieren, praktizieren und lehren, mit welchen Mitteln und Ressourcen auch immer, die die musikalische Zielsetzung erfordert. Wenn wir das erreicht haben, dann verschwindet das <em>elektronische<\/em> in Komposition und wir haben nur noch <em>Musik<\/em>\u00a0in all ihren vielf\u00e4ltigen Facetten und \u00c4sthetiken <sup class='footnote'><a href='#fn-1789-4' id='fnref-1789-4' onclick='return fdfootnote_show(1789)'>4<\/a><\/sup><\/p>\n<h2>Freiheit?<\/h2>\n<p>Als Schlusswort statt einer Fazit jetzt:<\/p>\n<blockquote><p>Das Wort Freiheit wird sehr missbraucht in der heutigen politischen Sph\u00e4re, aber Kunstwerke bieten die Zeit und den Raum an, in dem wir uns daran erinnern k\u00f6nnen, dass eine immer weiter existierende Freiheit vorhanden ist, anstatt einer, die f\u00fcr die Zukunft versprochen wird. Kunst, und vielleicht vor allem Musik, die so abstrakt ist, konfrontiert uns mit unserer eigenen Freiheit: die Freiheit etwas Fremdes anzugehen, und dadurch zu lernen uns vertrauen zu k\u00f6nnen; die Freiheit uns zu entwickeln, neue Verst\u00e4ndnisse zu integrieren und die Welt anders zu verstehen; oder die Freiheit abzulehnen, wenn das sein muss.<\/p>\n<p>(Michael Edwards)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich bleibe allerdings optimistisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class='footnotes' id='footnotes-1789'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-1789-1'> David Sarnoff (1891 \u2013 1971): Russian\/American businessman, led RCA (the Radio Corporation of America) from shortly after its founding in 1919 until his retirement in 1970. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1789-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-1789-2'> Zitat aus dem Computer Music Journal, Vol. 25, No. 4 (Winter, 2001), Letters, \u00a0<em>Is Tape Music Obsolete? Is Spatialization Superficial? <\/em>aber zuerst aus MusikTexte 88 (Februar 2001) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1789-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-1789-3'> Franz\u00f6sisch: \u201cl\u2019incr\u00e9dulit\u00e9 \u00e0 l\u2019\u00e9gard des m\u00e9tar\u00e9cits\u201d <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1789-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-1789-4'> Und schlie\u00dflich ist Musik seit der Erfindung der ersten Instrumente hochtechnologisch, so dass es wirklich keinen Grund gibt, die Unterscheidung zu forcieren. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-1789-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The following, in German, arose out of the slides and notes I made for a talk given for the German Society for Electroacoustic Music (DEGEM) at ZKM Karlsruhe on 28.9.2024. The theme for the talks was Perspectives on Emerging Forms of Experimental Music: Futurisms I. 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